Philosophy
 

PS-Regeln

Aus Convergence

PS-Regeln zur Lösung politischer, sozialer oder moralischer Probleme

Regeln, die bewirken, dass breit geführte Diskussionen zu einem Ergebnis führen ("konvergierende" Diskussionen)

Inhaltsverzeichnis

'PS' für problem solving – Probleme lösen. Wenn du die Abschnittnummern der Regeln zitierst, beachte, dass diese Nummerierung bei neuen Abschnitten automatisch verändert wird. Hier werden keine politischen usw. Probleme gelöst, sondern die Regeln dafür entwickelt. Aber es gibt Demonstrationsbeispiele.

PS-Regel I - Die Grundregel

  • Diskussionen sollen konvergieren!
  • Konvergente Diskussionen sind solche, in denen auf zwei Punkte immer Wert gelegt wird: (1) Um welches Problem geht es? (2) Kommen wir mit jedem Diskussionsbeitrag der Lösung einen Schritt näher?
  • Divergente Diskussionen sind solche, die eine solche Regieführung gar nicht kennen oder andere Gesichtspunkte im Auge haben (wie etwa brain storming, Unterhaltung, die Lust am Streiten, die Selbstdarstellung usw.)

PS-Regeln II - Die Arbeitsversion

Lenke die Diskussion (das PS-Wiki) auf folgende Punkte:
  • Welches Problem soll hier gelöst werden?
  • Welches Wissen ist hier relevant?
  • Eine Lösung vorschlagen.
  • Gibt es unhaltbare Konsequenzen?
  • Gibt es bessere alternative Lösungen?
  • Welche der Alternativen löst das Problem am besten?
  • Alle Betroffenen berücksichtigen!
  • Alle vernetzten Probleme berücksichtigen!

PS-REGELN III - Die Langfassung für Streitfragen

Herausarbeitung des eigentlichen Problems

Welches Problem soll in dem aktuellen PS-Wiki gelöst werden?

Welches Wissen ist hier relevant?

Reformulierung des Problems

von Zeit zu Zeit. Beim Versuch ein Problem zu lösen, wird oft klarer, worin das Problem eigentlich besteht. Probleme müssen daher während des Lösungsprozesses immer wieder neu formuliert werden.

Objektive Problemdarstellung

Politische, gesellschaftliche oder moralische Probleme sollten ohne Bewertung beschrieben werden; am besten so, dass man sieht, dass das Problem ähnlich wie ein physisches Objekt unabhängig von Beobachtern und Bearbeitern existiert und ein Forscher es fünfhundert Jahre später noch verstehen kann.

Problemanalyse

Probleme bestehen aus Zielen und Hindernissen; oder sie resultieren aus Zielkonflikten, weil man oft nicht alle Ziele gleich gut erreichen kann; oder sie sind verknüpft mit anderen versteckten Zielen, die sich in moralischen, gesellschaftlichen und politischen Werten, Prinzipien, Maximen, Gefühlen, Gepflogenheiten, Traditionen usw. ausdrücken. All diese Dinge, die kein Sein, sondern ein Sollen oder Wollen betreffen, sind herauszuarbeiten. Sie können im Gegensatz zu Tatsachenaussagen als Wertaussagen bezeichnet werden.

Problemlösungen finden

Wie in den Wissenschaften gibt es auch bei Problemen, die mit Wertfragen verbunden sind, keine Regeln für das Auffinden von Lösungen. Hier hilft nur, sich das Problem immer wieder klar zu machen, Phantasie zu entwickeln und die Übertragung von Erfahrungen aus ähnlichen Fällen zu versuchen.

Mit Ad-hoc-Lösung starten

Es wird hier das Verfahren gewählt, nicht die beste Lösung theoretisch zu finden, sondern von einer vorgegebenen Problemlösung auszugehen und diese gemeinsam sukzessiv zu verbessern.

Konfrontation mit Alternativen

Jederzeit kann diese Problemlösung mit einer anderen konfrontiert und, wenn sie besser ist, und durch diese ersetzt werden.

Vergabelung der Lösungswege ('forking')

Da das Potential einer Problemlösung nicht im Voraus ausgelotet werden kann, empfiehlt es sich unter Umständen das PS-Wiki in zwei konkurrierende Wikis aufzuspalten und nach einiger Zeit den unterschiedlichen Erfolg zu vergleichen.

Fehlerbeseitigung

Erforschung vieler Konsequenzen

Konfrontation mit Kritik

Konfrontation mit Alternativen

Bewertung der Problemlösungen

als Kern des Verfahrens: Wenn man weiß, welches Problem gelöst werden soll, kann man auch feststellen, ob es gelöst wurde und ob es besser gelöst wurde als mit jeder bekannten Alternative. Denn wenn wir die angestrebten Ziele kennen, können wir objektiv nachvollziehbar erkennen, ob eine bestimmte Problemlösung ihnen näher kommt oder nicht.

Die Objektivität der Lösung

Die Objektivität einer Lösung wird wie in der Wissenschaft durch ›intersubjektive Nachprüfbarkeit‹ und ›intersubjektive Übereinstimmung‹ gesichert.

›Intersubjektive Nachprüfbarkeit‹

Die Lösung eines Problems ist unabhängig vom Fragesteller und lässt sich so darstellen, dass jeder sie nachprüfen kann.

›Intersubjektive Übereinstimmung‹

Nur wenn unterschiedliche Personen mit unterschiedlichen Voraussetzungen (Geschlecht, Zeit, Kultur usw.) zu gleichen Ergebnissen kommen, wenn ihre Problemlösungen konvergieren, kann die Lösung auf objektive Weise entstanden sein. Das heißt, die intersubjektiv erreichte Übereinstimmung ist ein Zeichen dafür, dass die angewendeten Methoden tatsächlich objektiv waren, also von Menschen unabhängige Resultate angestrebt haben.

Separate Ziel- und Wertediskussionen

Auf der Suche nach der besten Problemlösung werden die zu erreichenden Ziele vorerst als unproblematisch vorausgesetzt. Die Ziele werden also zunächst weder kritisiert noch bewertet. Später können auch sie rational diskutiert werden: Man kann sie aufgeben oder abändern. Doch dadurch wird das eigentlich Problem nicht gelöst, sondern es werden die ihm zugrunde liegende Ziele aufgegeben. Manchmal ist das angezeigt. In jedem Fall muss diese Diskussion der Ziele separat geführt werden.

Separate Diskussion der involvierten Wertaussagen

Wenn Ziele ein Problem aufwerfen, gibt es innerhalb dieses neuen Problems wieder ein oder mehrere Ziele, die nicht ohne weiteres erreicht werden können. Das ist die Struktur eines jeden Problems.

Dreierlei Werte unterschiedlich behandeln

In politischen und moralischen Diskussionen spielen gewöhnlich eine größere Zahl von Werten eine Rolle. Auch Werte enthalten Ziele, denn sie sind Dinge, die wir anstreben (Frieden, Gesundheit, Schönheit, Reichtum, Aufrichtigkeit usw.). Deshalb kann man auch sie überprüfen. Man kann nämlich prüfen, ob sie ihr Ziel erreichen und besser erreichen als jede Alternative. Bevor man das tut, muss man dreierlei Werte unterscheiden: Werte, die Probleme lösen; Werte, die unproblematisch sind; Werte, die Probleme aufwerfen.

Problemlösende Werte

auch ›moralische Werte‹ genannt. Sie sehen oft wie undiskutierbare Ziele aus, wie ›Werte an sich‹, sind es aber nicht. Sie erweisen sich bei näherer Analyse immer als Problemlösungsstrategien, die darauf abzielen, das Zusammenleben aller zu verbessern. Wenn das herausgearbeitet ist, kann erwogen werden, inwieweit sie ihren Anspruch auf unbedingte Befolgung verlieren und gegenüber den Zielen des PS-Wikis nur eingeschränkt zur Geltung kommen sollen.

›Lebenswerte‹ als unproblematische Werte

Lebenswerte, wie Musik mögen oder Kunst lieben oder Schmetterlinge sammeln, werden im Allgemeinen für sich keine Probleme aufwerfen. Natürlich sind sie mit Problemen verbunden, weil man ja auch unproblematische Ziele nicht ohne weiteres erreicht. Sie können und brauchen aber nicht diskutiert zu werden, solange sie innerhalb des PS-Wikis kein anderes Problem aufwerfen, als dass man die entsprechenden Ziele nicht leicht erreicht. Lebenswerte muss man also im Allgemeinen nicht diskutieren, sondern nur identifizieren. Man muss feststellen, ob sie real vorhanden sind und welche Rolle sie innerhalb des analysierten Problems spielen.

Problematische Werte

Es kann natürlich jederzeit sein, dass Lebenswerte doch Probleme aufwerfen. In diesem Augenblick werden sie rational diskutierbar, weil man nun prüfen kann, welches angestrebte Ziel sie stören, und wie man dieses Ziel besser erreichen könnte. Jetzt müssen sie, wie unten gezeigt, diskutiert werden.

Die Objektivität der Wertdiskussion

Sie wird dadurch gewährleistet, dass man Werte, Gesetze, moralische Gefühle, Regeln, Maximen, usw. im jeweiligen konkreten Fall mit ›X‹ bezeichnet und intersubjektiv die Behauptung prüft: Durch X wird das gesellschaftliche Zusammenleben aller Betroffenen verbessert, und es wird mehr verbessert als durch jede andere bisher in Betracht gezogene Alternative.

Das Durchsetzungsproblem

Das Durchsetzungsproblem muss man separat behandeln. Die traditionelle Moral pflegt moralische Werte als absolute Werte oder unbedingte Ziele darzustellen, um sie besser durchsetzen zu können. Oder sie vereinfacht. Es ist also sehr wichtig, das jeweils zu lösende Problem nicht mit dem Durchsetzungsproblem zu vermischen: Die optimale Problemlösung muss man unabhängig vom Durchsetzungsproblem finden, und die Durchsetzung des Richtigen muss dann separat diskutiert werden.

Vernetzte Probleme beachten

Ein Problem ist nur dann gelöst, wenn die mit ihm vernetzten Probleme berücksichtigt worden sind. Ein Problem ist nur dann gelöst, wenn alle Betroffenen berücksichtigt worden sind.

Wiederholte Verbesserungszyklen

Jede neue Lösung eines alten Problems hat ihre spezifischen Schwächen. Die Konsequenzen, die mit der neuen Lösung verbunden sind, kann man niemals alle überschauen. Deshalb gibt es keine endgültigen Lösungen. Der Poppersche Verbesserungszyklus kann beliebig oft wiederholt werden. Die Beteiligung Vieler ist also nützlich, um Verbesserungen durch wiederholte Zyklen in möglichst kurzer Zeit zu erreichen.

Kontrolle durch Albertsche 'Brückenprinzipien'

Man muss sicherstellen, dass kein Konflikt mit bewährten Ergebnissen der Wissenschaften vorliegt; dass das, was man durchsetzen möchte, prinzipiell und praktisch realisierbar ist; und dass kein logischer Fehler vorliegt.

Quellen und Vorarbeiten