Zehn Gebote von Humanismus und Aufklärung
Aus Convergence
Inhaltsverzeichnis |
Vorwort
- Der Autor Michael Schmidt-Salomon hat in seinem Buch Manifest des Evolutionären Humanismus - Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur, Aschaffenburg (2005), im Einklang mit der Giordano Bruno Stiftung [1] für nicht-religiöse Menschen einen Dekalog (Zehn AnGebote) vorgeschlagen, der für das heutige Leben vielleicht angemessener ist als die Zehn Gebote der Bibel.
- In jedem Fall ist er eine diskutierbare Alternative. Egal, wie sehr man damit einig geht oder nicht: Weil die Zielsetzung erkennbar ist, können die "Zehn Gebote von Humanismus und Aufklärung" dementsprechend verbessert werden. Jede Verbesserung ist willkommen, wenn sie nur tatsächlich eine Verbesserung ist, und sei sie nur stilistischer Natur.
- Bitte behaltet das Doppelziel dieses Wikis "Convergence" im Auge: Lösung eines bestimmten gesellschaftlichen Problems und Verbesserung der dabei handlungsleitenden Regeln, wie sie unter PS-Regeln für PS-Wikis wie dieses weiterentwickelt werden.
- Bitte alle Diskussionen, Begründungen, Vorschläge usw. auf die Diskussionsseite. Hier nur die editierte Neufassung der "Zehn Gebote von Humanismus und Aufklärung".
- Im folgenden Abschnitt findet man den Ausgangstext von Michael Schmidt-Salomon, Manifest des Evolutionären Humanismus - Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur, Aschaffenburg (Alibri Verlag) 2005, S.156-159, den wir dort in der ursprünglichen Form belassen:
Ausgangsposition: Originaltext
Und hier kann der Text Abschnitt für Abschnitt editiert werden:
Editierte Version von: Zehn Gebote von Humanismus und Aufklärung
Vorbemerkung: Die Ethik von Humanismus und Aufklärung ist eine Alternative zu jeder religiös bestimmten Ethik. Wir hoffen, sie ist die bessere Alternative. Das zeigt sich in der Anwendung und nicht darin, dass wir die andere Seite schlechtreden. Das zeigt sich in der "Anwendung", so wie der Aufklärer und Humanist Lessing es in seinem "Nathan der Weise" vorgeschlagen hat: Derjenige hat den richtigen "Ring", der das meiste Wohlgefallen der Menschen erringt. Das heißt, der seinen Mitmenschen etwas bringt, das sie haben wollen, weil es ihr Zusammenleben deutlich verbessert.
Jedem Einzelnen bleibt es überlassen, diese Gebote im Sinne von Angeboten rational zu überprüfen, sie anzunehmen, zu modifizieren oder gänzlich zu verwerfen.
Das 1. Gebot
1. Diene dem großen Ideal der Ethik, das Leid in der Welt zu mindern! Sei ein Realist und richte deine Entscheidung nach der wirklichen Problemlage.
Was mich doch mehr als stört und den Ausführungen des Manifestes in meinen Augen nicht entspricht, ist in diesem 1. Angebot die Begrifflichkeit des "Dienens"! Menschen, die in dieser Variante ihre erotische oder sexuelle Befriedigung unter dem Gebot der uneingeschränkten beiderseitigen Zustimmung finden, einmal ausgenommen, scheint mir der Begriff des "Dienens" unter humanistischen Gesichtspunkten mehr als fragwürdig, da Dienen immer ein Herrschaftsverhältnis unterstellt. Genau dieses verbietet sich jedoch unter der humanistischen Prämisse des gleichberechtigten wissenschaftlichen Diskurses im Sinne der Problemlösung! So kann der kirchliche Messdiener diene(r)n, so er denn will, aber doch nicht ein Mensch mit humanistischem Hintergrund. Als alternative Beweggründe scheinen mir Begriffe wie "Sorge dich um das große Ideal...", "Versuche, streit- und standhaft und konsequent im Sinne des großen Ideals ...", "Lass dich nicht beirren in deinem Bemühen um die Verbreitung des großen Ideals ..." oder sonstige Alternativen. "Dienen" jedoch widerspricht dem Ideal per se!
Das 2. Gebot
2. Verhalte dich fair gegenüber deinem Nächsten und deinem Fernsten! Du wirst nicht alle Menschen lieben können, aber du solltest respektieren, dass jeder Mensch – auch der von dir ungeliebte! – das Recht hat, seine individuellen Vorstellungen von 'gutem Leben (und Sterben) im Diesseits' zu verwirklichen, sofern er dadurch nicht gegen die gleichberechtigten Interessen Anderer verstößt.
Das 3. Gebot
3. Habe keine Angst vor Autoritäten, sondern den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Bedenke, dass die Stärke eines Arguments völlig unabhängig davon ist, wer es äußert. Entscheidend für den Wahrheitswert einer Aussage ist allein, ob sie logisch widerspruchsfrei ist und mit der Wirklichkeit übereinstimmt.
Das 4. Gebot
4. Du sollst nicht lügen, betrügen, stehlen, töten. Aber lass Humanismus und Aufklärung niemals untergehen! Wenn andere zu den übelsten Mitteln greifen wie Lügen, Betrügen, Stehlen und Töten, dann müssen auch Humanismus und Aufklärung sich zu wehren wissen. Aber immer in adäquater Weise, das heißt in der jeweils gewaltlosesten Variante. - Wer in der Nazidiktatur nicht log, sondern der Gestapo treuherzig den Aufenthaltsort jüdischer Familien verriet, verhielt sich im höchsten Maße unethisch – im Gegensatz zu jenen, die Hitler durch Attentate beseitigen wollten, um Millionen von Menschenleben zu retten. Ethisches Handeln bedeutet keineswegs, blind irgendwelchen moralischen Geboten, Verboten oder dem eigenen Gewissen zu folgen, sondern in der jeweiligen Situation abzuwägen, mit welchen positiven und negativen Konsequenzen eine Entscheidung verbunden wäre. Dies beinhaltet auch einen respektvollen Umgang mit unserer natürlichen Umwelt.
Das 5. Gebot
5. Befreie dich von der Unart des Moralisierens! Es gibt in der Welt nicht 'das Gute' und 'das Böse', sondern bloß Menschen mit unterschiedlichen Interessen, Bedürfnissen und Lernerfahrungen. Trage dazu bei, dass die katastrophalen Bedingungen aufgehoben werden, unter denen Menschen heute verkümmern, und du wirst erstaunt sein, von welch freundlicher, kreativer und liebenswerter Seite sich die vermeintliche 'Bestie' Homo sapiens zeigen kann.
Das 6. Gebot
6. Immunisiere dich nicht gegen Kritik! Ehrliche Kritik ist ein Geschenk, das du nicht abweisen solltest. Durch solche Kritik hast du nicht mehr zu verlieren als deine Irrtümer, von denen du dich besser heute als morgen verabschiedest. Habe Mitleid mit jenen Kritikunfähigen, die aus Angst, umlernen zu müssen, sich für 'unfehlbar' erklären und ihre Dogmen als 'heilig' (unantastbar) darstellen. Unfehlbarkeit sollte heutzutage nicht mehr ernst genommen werden.
Das 7. Gebot
7. Sei dir deiner Sache nicht allzu sicher! Was uns heute als richtig erscheint, kann schon morgen überholt sein! Zweifle aber auch am Zweifel! Selbst wenn unser Wissen stets begrenzt und vorläufig ist, solltest du entschieden für das eintreten, von dem du überzeugt bist. Sei dabei aber jederzeit offen für bessere Argumente, denn nur so wird es dir gelingen, den schmalen Grat jenseits von Dogmatismus und Beliebigkeit zu meistern.
Das 8. Gebot
8. Überwinde die Neigung zur Traditionsblindheit, indem du dich gründlich nach allen Seiten hin informierst, bevor du eine Entscheidung triffst! Du verfügst als Mensch über ein außerordentlich lernfähiges Gehirn, lass es nicht verkümmern! Achte darauf, dass du in Fragen der Ethik und der Weltanschauung die gleichen rationalen Prinzipien anwendest, die du beherrschen musst, um ein Handy oder einen Computer bedienen zu können. Eine Menschheit, die das Atom spaltet und über Satelliten kommuniziert, muss die dafür notwendige Reife besitzen.
Das 9. Gebot
9. Genieße dein Leben, denn dir ist höchstwahrscheinlich nur dieses eine gegeben! Sei dir deiner und unser aller Endlichkeit bewusst, verdränge sie nicht, sondern 'nutze den Tag' (Carpe diem)! Gerade die Endlichkeit des individuellen Lebens macht es so ungeheuer kostbar! Lass dir von niemandem einreden, es sei eine Schande, glücklich zu sein! Im Gegenteil: Indem du die Freiheiten genießt, die du heute besitzt, ehrst du jene, die in der Vergangenheit im Kampf für diese Freiheiten ihr Leben gelassen haben!
Das 10. Gebot
10. Stelle dein Leben in den Dienst einer 'größeren Sache', werde Teil der Tradition derer, die die Welt zu einem besseren, lebenswerteren Ort machen woll(t)en! Eine solche Haltung ist nicht nur ethisch vernünftig, sondern auch das beste Rezept für eine sinnerfüllte Existenz. Es scheint so, dass Altruisten die clevereren Egoisten sind, da die größte Erfüllung unseres Eigennutzes in seiner Ausdehnung auf Andere liegt. Wenn du dich selber als Kraft im 'Wärmestrom der menschlichen Geschichte' verorten kannst, wird dich das glücklicher machen, als es jeder erdenkliche Besitz könnte. Du wirst intuitiv spüren, dass du nicht umsonst lebst und auch nicht umsonst gelebt haben wirst!
Quellen und Literatur
Alternative Versuche
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